GUERRE EN FORME
Der zweijährige Aufenthalt als Gastkünstler auf der Hamburger Veddel und die Arbeit im Stadtentwicklungsgebiet Bjørvika in Oslo hatten uns für die Auseinandersetzung um Raum sensibilisiert. Die Einladung von Claudia Emmert, im Kunstpalais Erlangen eine Ausstellung zu konzipieren, gab uns die Gelegenheit, das Thema aufzublättern.
Räumliche Strukturen sind Teil gesellschaftlicher Strukturen und ermöglichen Handeln ebenso, wie sie es einschränken. Bauen, Errichten, Vermessen und Markieren sind Aushandlungsprozesse, kommunikative Praktiken, die Wirklichkeit erst hervorbringen. Die Erlanger Ausstellung Guerre en Forme widmet sich der Konstitution von Räumen und deren Verhandelbarkeit; der herrschenden Ordnung als vorläufigem Ergebnis von Auseinandersetzungen zwischen Kontrahenten.




Die brutalste Form von Auseinandersetzung um Raum und Ressourcen ist der Krieg. In der Folge des Dreißigjährigen Kriegs entstand der Kabinettskrieg oder Guerre en Forme. Anders als beim Kampf zwischen Feinden bis zur gegenseitigen Vernichtung wird der Guerre en Forme als Kontroverse zwischen zwei sich anerkennenden Souveränitäten ausgefochten. Es ist ein Krieg nach Regeln, in klaren Formen, in abgegrenzten Gebieten und daher bis zu einem gewissen Grad eingehegt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verödete Erlangen. Einen neuen Impuls gab erst die Gründung der Neustadt 1686, die mit dem Guerre en Forme die abgezirkelte Geometrie und die Überzeugung der Planbarkeit von Prozessen gemein hatte.
Das ist der gedankliche Hintergrund, vor dem wir Paradigmenwechsel von öffentlichem Raum, Möglichkeiten der Aneignung und Nutzung urbaner Territorien betrachten. Die titelgebende zentrale Arbeit bezieht sich auf den Grundriss der Planstadt Erlangen. Sie nutzt ihn als Feld für choreographische Notationen und zirkelt ein Spielfeld für Auseinandersetzungen ab. In den Kabinetten des Erdgeschosses und in den Kellergewölben stellen wir aktuelle Projekte vor, die sich auf andere Städte beziehen: auf São Paulo und die brasilianische Hauptstadt Brasília, das neue Hafenviertel Bjørvika in Oslo, die Elbinsel Veddel in Hamburg, auf Heterotopien in Kopenhagen und Berlin. Hier entwickeln wir Planspiele zum Städtebau, Szenarien zu Besetzung von Orten, Strategien der (Um-)Ettikettierung und Umnutzung von Raum und diskutieren die Rollen von Bewohnern und Publikum als Akteuren der polis.
Als historischer Bezugspunkt dient der Kabinettskrieg oder Guerre en Forme, der nach dem Dreißigjährigen Krieg als eingehegter, regelgebundener Konflikt zwischen anerkannten Souveränitäten entstand. Auch die Gründung der Erlanger Neustadt 1686 folgt dieser Logik von Geometrie, Ordnung und Planbarkeit.
Vor diesem Hintergrund untersuchen wir heutige Paradigmen des öffentlichen Raums und Möglichkeiten urbaner Aneignung. Die zentrale Arbeit nutzt den Grundriss der Planstadt Erlangen als Feld choreografischer Notationen. In den Kabinetten und Kellergewölben zeigen wir weitere Projekte zu São Paulo und Brasília, Bjørvika in Oslo, der Veddel in Hamburg sowie zu Heterotopien in Kopenhagen und Berlin: Planspiele zum Städtebau, Szenarien der Besetzung und Umnutzung von Orten – und die Rollen von Bewohnerinnen und Publikum als Akteurinnen der polis.





