PICASSO VAN GOGH

Jede Ausstellung dieser Berliner Künstler ist wie eine Demontage ihrer jeweiligen Arbeitsumgebung konzipiert: Im Freiburger Museum stellen sie 1991 die komplette Museumshierarchie aus, von der Museumsleitung über die Wärter bis hin zur Bedienung der Cafeteria. Im gleichen Jahr zeigen sie in der Saarbrücker Stadtgalerie SOUVENIRS AUS DER MUSEUMSBOUTIQUE, Postkarten auf denen Museumsshops aus aller Welt abgebildet sind. Wenn man davon ausgeht, dass Kunstkritik dem Kunstwerk normalerweise einen „Mehrwert“ liefern sollte, dann nehmen Dellbrügge de Moll eben diesen Diskurs auf, stellen ihn aus und kehren dabei den gewöhnlichen Produktionsprozess um. Die Randerscheinungen und das Umfeld des Museums werden bloßgestellt, kleine Objekte werden im Zerrspiegel dargestellt. So verlagern und hinterfragen Dellbrügge de Moll fortwährend die Selbstdarstellung der Kunst mittels ihrer Institution. In seinem Grundgedanken ist dieses Unterfangen von Haackes Museumswidersprüchen oder der Didaktik von Asher weit entfernt; es ist gedanklich eher mit Broodthaers verwandt – dass nämlich jedes einzelne Objekt wie eine ökonomische Kippschaltung funktioniert. Mit Dellbrügge de Moll landet das gesamte imaginäre Museum im Kaufhaus.

Frank Perrin „European Guerillas“ in: Kanal Europe Kunst und Gegenwart Nr. 2 April/Mai 1992