CCA ANDRATX MALLORCA

Nach unserer Gastprofessur an der UdK Berlin und den arbeitsintensiven Projekten Camp der Renegaten und Reconstructing Future fanden wir während einer Residency im Center of Contemporary Art auf Mallorca die notwendige Ruhe, um neue Impulse zu sammeln.


Wie eine mediterrane Festung liegt das CCA am Ortsausgang von Andratx, am Fuß des Tramuntana-Gebirges. Der weitläufige Komplex mit Ausstellungs- und Veranstaltungssälen, Gästetrakt, Café und vier Künstlerstudios wurde 2001 von Jacob und Patricia Asbæk von der gleichnamigen Kopenhagener Galerie gegründet. Die Ateliers werden Künstler*innen in der Regel für einen Monat kostenfrei zur Verfügung gestellt; im Gegenzug schenken sie am Ende ihres Aufenthalts ein Werk, das in die Sammlung des Hauses aufgenommen wird.


Diese Form des Austauschs veranlasste uns, Marcel Mauss’ Die Gabe (Essai sur le don) mitzunehmen. Während unsere Berliner Freunde im April noch unter Schneefall litten, saßen wir am Pool – gespeist vom eiskalten Wasser aus den Bergen und über den Orangenhainen gelegen – und lasen die ethnologisch-soziologischen, kulturhistorisch weit ausgreifenden Untersuchungen zur Dynamik des Schenkens.


Aus dieser Lektüre entstand eine Reihe von sieben Aquarellen, die uns in Badehose und Bikini am Pool zeigen, in konzentriertem Gespräch. Konzeptuell begreifen die Aquarelle den Pool als Denkraum: Als Ort der Muße, an dem die ökonomischen und symbolischen Dimensionen des Schenkens – wie sie Mauss beschreibt – nicht nur gelesen, sondern performativ eingeholt werden. Die Darstellung von uns selbst in Badehose und Bikini übersetzt diese Reflexion in ein Bild des „unausgesetzten Zirkulierens“: von Wasser, Wärme, Blicken, Gedanken.








Die in die Bilder integrierten Textfragmente fungieren dabei weniger als Kommentar denn als konstitutiver Bildbestandteil. Sie markieren die Aquarelle als Hybridformen, die das Privateste (den Körper am Pool) mit dem Abstraktesten (Theorie des Gabentauschs) verschränken. Indem Mauss’ Thesen im Bild selbst erscheinen, wird das Schenken nicht bloß thematisiert, sondern im Medium selbst nachvollzogen: Die Aquarelle verstehen sich als Gabe an das CCA, zugleich als Reflexion darüber, was es heißt, im institutionellen Rahmen zu geben und zu empfangen.